Historie von 1888 bis heute

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland viele Feuerwehren gegründet. Auch die Schenefelder Gemeindeväter erkannten die Zeichen der Zeit und stellten am 31. Mai 1888 den Antrag in Schenefeld eine Feuerwehr zu bilden. Schenefeld hatte zu jener Zeit 724 Einwohner, welche überwiegend Bauern und Baumschuler mit ihren Familien waren. Es gab 113 Wohnhäuser, die größtenteils mit Reet gedeckt waren.

Auf der Gründungsversammlung am 5. Juni 1888 wurde dann von 19 Schenefelder Bürgern die Freiwillige Feuerwehr Schenefeld ins Leben gerufen.

Hermann Ellerbrock wurde zum Hauptmann gewählt und mit dem Aufbau der Wehr beauftragt. Die Gemeinde subventionierte die Feuerwehr mit 400,- Mark. Damit wurden die allernötigsten Ausrüstungsgegenstände angeschafft. Das Spritzenhaus stand auf dem Grundstück des Sattlermeisters Timm. Ein Jahr später zog die Wehr in ein neues Spritzenhaus auf einem Gemeindegrundstück an der Nedderstrasse (heute Profi-Point Rademann). Diese Wache hatte sogar eine Arrestzelle für Landstreicher.

Ein Antrag der Feuerwehr auf weitere Bezuschussung wurde von der Gemeinde abgelehnt. Man vermittelte der Feuerwehr aber ein Darlehen in Höhe von 500,- Mark bei der Schenefelder Pfennigkasse. Dafür wurden Leitern, Eimer, Patschen und ein zweirädriger Wagen angeschafft. Das Darlehen wurde mit Beiträgen und Strafgeldern der Feuerwehrleute getilgt. Über Einsätze und Erfolge in dieser Zeit ist leider nichts bekannt.

Vor eine große Aufgabe wurden die Feuerwehrmänner dann Pfingsten 1911 gestellt. Bei einem Großfeuer in der heutigen Nedderstasse wurden sieben große Bauernhöfe ein Opfer der Flammen. Nach diesem Feuer wollte man nun bessere Löschmöglichkeiten schaffen. Bis dahin wurde das Löschwasser aus dem Löschteich an der Hauptstraße, aus dem Mühlenteich in Friedrichshulde oder aus der Düpenau mit Jauchetonnen an die Brandstelle gebracht. Dort angekommen, musste das Wasser von Hand in den Wasserbehälter der Handdruckspritze gefüllt werden. Es wurde die Aufstellung einer großen Wassertonne in Betracht gezogen, der Gedanke dann aber wieder verworfen. Später sollte dann beim Feuerwehrhaus ein Brunnen von 2 Metern Durchmesser gemauert werden, aber auch dieser Plan kam nicht zur Durchführung. Schließlich wurde dann in der großen Kuhle (heute Alte Landstraße) ein Brunnen gebaut. Obendrauf kam eine Holzhütte mit einer von Hand zu betätigenden Pumpe.

Das war in etwa der Stand des Löschwesens bis zum Ende des 1. Weltkrieges.

Während dieser Zeit waren die Kameraden Hinrich Behnke, Hinrich Lüdemann, Wilhelm Timm und Cord Ellerbrock Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Schenefeld.

Nachdem der 1. Weltkrieg zu Ende war, begann man die Wehr neu aufzubauen. Unter der Leitung des neuen Wehrführers Peter Harms ging man mit großem Elan ans Werk. Ein grosser Schritt vorwärts war die Anschaffung einer selbstansaugenden Handdruckspritze aus Reichswehrbeständen. Diese war auf einem eisenbereiften Wagen installiert und wurde von Pferden gezogen. Zum Pumpen benötigte man 4 bis 8 Personen, die häufig aus neugierigen Zuschauern rekrutiert wurden.
Die Wehr hatte jetzt 25 aktive Mitglieder und bestand aus einer Steiger- und einer Spritzenmannschaft.

Der Ablauf eines Einsatzes ging folgendermaßen vor sich:
Ein Feuer konnte bei 2-3 Feuerwehrleuten, den sogenannten Feuermeldern, gemeldet werden. Diese Feuermelder schnappten sich ihr Feuerhorn und liefen oder radelten durchs Dorf. Dabei stießen sie in ihr Horn und riefen zwischendurch "Füer, Füer!!!" Das war dann das Zeichen für die Feuerwehrleute schnellstens zum Gerätehaus zu eilen. Die Bauern in der Nähe des Gerätehauses indes beeilten sich, als erste mit ihren Pferden am Feuerwehrhaus zu erscheinen, um die Handdruckspritze zu ziehen. Als Bonbon für seinen schnellen Einsatz bekam der erste am Gerätehaus erscheinende Bauer eine Prämie von fünf Mark. Aber so sehr man auch bemüht war den Roten Hahn zu bekämpfen, ohne ausreichende Versorgung mit Wasser und Geräten war alles schon im Vorwege zum Scheitern verurteilt.

Im Jahre 1922 erfolgte dann ein Wechsel in der Wehrführung. Peter Harms wurde von Franz Lüdemann abgelöst. Von 1924 bis 1929 hatte dann Carl Plath das Sagen in der Feuerwehr. 1929 übernahm Hans Ellerbrock die Wehrführung, die er bis 1945 inne hatte.

In der Zwischenzeit hatte sich in puncto Ausrüstung auch einiges getan. So wurden 1925 immerhin 200 Meter Schlauchmaterial und 1931 ein Pferdefuhrwerk für 10 Mann als Mannschaftswagen angeschafft. 1935 wurde an der Hauptstraße / Ecke Mühlenstrasse ein Löschwasser-Bohrbrunnnen gebaut. Ein Jahr später hielt dann die moderne Technik ihren Einzug bei der Feuerwehr. Sie erhielt eine Motorspritze mit einer Pumpenleistung von 800 Litern in der Minute und dazu einen luftbereiften Anhänger, der von einem Traktor zur Einsatzstelle gezogen werden mußte. Auch die Löschwasserversorgung wurde verbessert. So wurden sechs neue Löschwasser-Bohrbrunnen angelegt.

Dann kam der 2. Weltkrieg. Viele Kameraden wurden zum Wehrdienst eingezogen, so dass die älteren Kameraden, die Freigestellten und die Jugendlichen nun den Brandschutz übernehmen mußten. Das war, bedingt durch die vielen Luftangriffe der Alliierten Bomber auf Hamburg, nicht immer ganz einfach. Auch wenn die Feuerwehr 1940 durch die Lieferung eines Löschfahrzeuges um einiges mobiler geworden war, waren die vielen überörtlichen Einsätze eine hohe Belastung für die Aktiven.

Als der 2. Weltkrieg 1945 beendet war, ging es mit Elan an den Neuaufbau der Freiwilligen Feuerwehr Schenefeld. Der neue Wehrführer August Lautenschläger hatte 24 Männer und das arg ramponierte Gerät zur Verfügung. Mit jenem Löschfahrzeug mußten in den ersten Nachkriegsjahren auch die Krankentransporte erledigt werden. Dazu mußten im Geräteraum alle Schubfächer entfernt werden um die Trage hineinzuschieben. Seit diesen Tagen wird bis heute der Rettungsdienst in Schenefeld durch die Berufsfeuerwehr Hamburg durchgeführt.

Die 1940 auf der Schule Altgemeinde installierte Luftschutzsirene wurde ab 1945 auch als Feueralarmsirene verwendet. Zwischen 1950 und 1952 wurden zwei weitere Löschteiche angelegt. Das Gerätehaus in der Hauptstraße ( heute Höhe Ärztehaus ) hatte im Dach so viele Löcher, dass es egal war ob die Geräte nun drinnen oder draussen lagen. Dieser Zustand änderte sich schlagartig, als die Feuerwehr am 1. April 1957 ( nein, kein Aprilscherz!) ihr neues Gerätehaus am Holstenplatz ( heute Stadtbücherei ) beziehen konnte. Es hatte drei Stellplätze für die Fahrzeuge, einen kleinen Aufenthaltsraum sowie eine Wohnung für den Gerätewart.
Um die Wehr schlagkräftiger zu machen, wurden in der Folgezeit diverse Anschaffungen gemacht. Es wurden eine neue Tragkraftspritze (TS 8/8) sowie das dazugehörige Fahrzeug, ein TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug) auf VW Bully, das bis heute als Oldtimer im Bestand der Feuerwehr ist, angeschafft. Außerdem wurde das Alarmsystem um 4 Sirenen erweitert, sodass an 5 Standorten in Schenefeld Sirenen standen.

1959 mußte August Lautenschläger aus Altersgründen in den Ruhestand gehen. Sein Amt als Wehrführer übernahm Hans Ellerbrock, der dieses Amt bereits von 1929 bis 1945 inne hatte. Er führte die Wehr bis 1963 und mußte dann ebenfalls aus Altersgründen sein Amt niederlegen. Nun übernahm Herbert Ellerbrock die Wehr, die 1963 38 Aktive und 5 Ehrenmitglieder zählte.

Pünktlich zum 75-jährigen Bestehen 1963 konnte die Wehr ein neues Tanklöschfahrzeug (TLF 16) in Empfang nehmen. Außerdem wurde eine Magirus Anhängeleiter und 4 Atemschutzgeräte angeschafft. Im gleichen Jahre wurde mit der Schaffung einer zentralen Wasserversorgung durch die Hamburger Wasserwerke begonnen. Es wurden ca. 400 Hydranten gesetzt, sodass nun in ganz Schenefeld ein schneller Zugriff auf Löschwasser erfolgen konnte. Wasserversorgung und alle anderen Anschaffungen waren sehr wichtig, da sich die Feuerwehr einem deutlich höheren Gefahrenpotential anpassen mußte.

Schenefeld war inzwischen zu einer Großgemeinde herangewachsen und zahlreiche Industriebetriebe brachten zusätzliche Gefahren. Auf Initiative vom damaligen Bürgervorsteher Albert Schröder wurde im Jahre 1965 die Jugendfeuerwehr Schenefeld gegründet.Aus ihr fließen seit dem Jahr für Jahr bestens ausgebildeter Feuerwehrnachwuchs in die aktive Wehr.

1966 wurde dann ein neues Löschgruppenfahrzeug (LF8) als Ersatz für das alte Löschfahrzeug von 1940 geliefert. In den nächsten Jahren wurden weiter ein ELW und LF 16 (1974) sowie weitere Atemschutzgeräte angeschafft.
1969 wurde dann Robert Eggerstedt zum Wehrführer gewählt.

Ab 1973 wurde die Wehr mit Funkmeldeempfängern (FME) ausgerüstet. Das hatte den Vorteil, dass bei kleinen Einsätzen nicht mehr die Sirene ausgelöst werden mußte, sondern direkt kleinere Gruppen von Feuerwehrleuten alarmiert werden konnten. Ab diesem Zeitpunkt liefen die Sirenen nur noch bei Großeinsätzen oder Probealarmen.

1972 wurde die Gemeinde Schenefeld zur Stadt Schenefeld "befördert", was auch für die Feuerwehr Mehrarbeit bedeutete. So stieg die Zahl der Einsätze pro Jahr weiter stetig an.

Da Robert Eggerstedt sich nicht mehr zur Wiederwahl zum Wehrführer aufstellen ließ, übernahm ab 1981 Heinrich Berens dieses Amt.
Seit diesem Zeitpunkt wurde auch der Fuhrpark der Feuerwehr Schenefeld stetig erneuert bzw. erweitert. So wurden ein neues TSF (1982), ein neues LF 8 (1985), ein Rüstwagen RW 2 (1986) sowie ein neues TLF 16 (1987) beschafft.
1984 konnte die Feuerwehr auch in ein neues Haus ziehen. Die Feuerwache ist mit sieben Stellplätzen für Fahrzeuge, einer Waschhalle, einer Atemschutzwerkstatt, einem eigenen Raum für die Jugendfeuerwehr, großen Aufenthaltsräumen sowie einer Funkzentrale ausgestattet. Weiter sind in dem Gebäude drei Wohnungen für Gerätewarte vorhanden. Platzprobleme wie in der alten Wache gehörten seit dem der Vergangenheit an.

Im Jahre 1988 konnte die Wehr auf eine 100jährige Geschichte zurückblicken.
Im Rahmen einer Festwoche konnte der Wehr ein neuer ELW übergeben werden, da der alte nicht mehr reparabel erschien. Weiter wurde der Wehr während der Festlichkeiten eine Traditionsfahne überreicht. Das gesamte Fest war in allen Belangen ein voller Erfolg.

Im Dezember 1992 brannte in Schenefeld eine große Lagerhalle (Kretschmer) im Osterbrocksweg bis auf die Grundmauern nieder. Bei diesem Einsatz wurde die Freiwillige Feuerwehr bis aufs Äußerste gefordert und von Feuerwehren aus dem gesamten Kreis Pinneberg sowie aus Hamburg unterstützt. Dieser Einsatz dauerte über 20 Stunden und war einer der aufwendigsten in der Geschichte der Schenefelder Feuerwehr.

1993 gab Heinrich Berens sein Amt als Wehrführer an Klaus Nast weiter, der die Geschicke der Wehr bis heute leitet. Als letzte Amtshandlung wurde von Heinrich Berens am 7. Juni 1993 die neue DLK 23/12 (Drehleiter) nach 18 Jahren Planung in Dienst gestellt.

Im Frühjahr 1997 hatte es die Wehr mit einer ganz besonderen Brandserie zu tun. Innerhalb kürzester Zeit brannte in Schenefeld bei drei Reetdachhäusern der Dachstuhl komplett nieder, bei einem weiteren konnte durch ein schnelles Eingreifen der Feuerwehr ein größerer Schaden verhindert werden. In allen vier Fällen spricht die Polizei von Brandstiftung, ein Täter konnte aber nie gefasst werden.

Im Jahre 1998 konnte endlich der seit langem nötige Anbau an die Feuerwache fertiggestellt werden. Damit konnte die Drehleiter endlich in einer Halle stehen, die auch allen Anforderungen gerecht wird. Weiter konnte in diesem Jahr ein VW-Transporter angeschafft und von aktiven Kameraden zu einem Mannschaftstransportwagen (MTW) für die Jugendfeuerwehr umgebaut werden.

Im Februar 2000 wurde die erste Frau in den Einsatzdienst der Freiwilligen Feuerwehr Schenefeld aus der Jugendfeuerwehr übernommen. Damit ist auch diese Bastion in der Schenefelder Feuerwehr ein für allemal gefallen und weiterer weiblicher Nachwuchs wird in den nächsten Jahren folgen.

Heute hat die Feuerwehr Schenefeld 76 Mitglieder in der aktiven Einsatzabteilung, 32 Jugendfeuerwehrleute darunter 5 Mädchen sowie 10 Mitglieder der Ehrenabteilung. Im Schnitt fährt die Feuerwehr Schenefeld im Jahr ca. 120 Einsätze.

Mitte März 2001 konnten wir nun auch endlich das neue LF 16/12 in Dienst stellen. Es ist der Ersatz für ein schon 26 Jahre altes LF 16, dass allmählich seinen Geist aufgab.



Schenefeld im April 2001

Frank Kalenka